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Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld bei der New Energy Husum

Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld ist ein Vordenker, insbesondere zum Thema Energieautarkie.

13.03.2015 // (Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld)

Er nennt sich selbst einen „Energiewender“ und ist überzeugt: Es braucht viele Energiewender, um den Umbau von fossilen zu erneuerbaren Energien in Deutschland zu schaffen. Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld ist ein Vordenker, insbesondere zum Thema Energieautarkie. Als Key Note Speaker hält er bei der New Energy Husum einen Vortrag mit dem Titel „Energieautarke Gebäude – intelligente Eigenversorgung mit Wärme, Strom und Mobilität aus der Sonne“ – ein Highlight im Veranstaltungsprogramm. Im Interview umreißt er einige seiner Ideen.


Herr Prof. Leukefeld, Sie bezeichnen sich selbst gern als „Energiewender“ – was bedeutet das?
Energiewende in Deutschland, das heißt, wir stehen vor der Aufgabe, unsere Energiesysteme grundlegend umzubauen, von fossil zu erneuerbar, von zentral zu dezentral. Wenn man das umwenden will, braucht man viele „Wender“, und ich bin einer davon.


Was sind aus ihrer Sicht die wichtigen Faktoren der Energiewende?
Da gibt es einige, ich will nur mal einen nennen: Wir müssen den Blick nicht so sehr auf den Strom, sondern auf die Wärme zu richten. Die macht schließlich in Privathaushalten 80 Prozent des Energieverbrauchs aus. Betrachtet man den gesamten Endenergieverbrauch in Deutschland, fließt immerhin noch die Hälfte in Wärme, weniger als ein Viertel in Strom und etwas mehr als ein Viertel in die Mobilität. Wenn wir immer nur im kleinsten Anteil des Energieverbrauchs herumstochern, dem Strom, kann die Energiewende nicht gelingen!


Und im privaten Bereich?
Hier kommt es auf den Aufbau dezentraler Systeme an und auf Vernetzung. Das meint, Energie dort zu produzieren, wo sie gebraucht wird, und Speicher einzubinden. Die sind ohnehin nur dezentral sinnvoll und effizient. Mögliche Techniken sind die Kraft-Wärme-Kopplung, also die Produktion von Strom und Wärme. Außerdem setze ich auf den kostenfreien, krisensicheren und regenerativen Rohstoff Sonne.
Und ich predige das ja nicht nur, ich praktiziere es auch gemeinsam mit meiner Familie. Wir leben seit mehr als einem Jahr in einem Haus, das nicht Energie verbraucht, sondern Energie produziert. Zum Beispiel so viel, dass wir die meiste Zeit im Jahr unser Auto mit „eigenem“ Strom tanken können. Das ist ein tolles Gefühl!


Wie ist das möglich!?
Ja, tatsächlich hat vorher niemand für möglich gehalten, dass man den privaten Stromverbrauch zu 100 Prozent aus Photovoltaik (plus Batteriespeicher) decken kann. Aber es geht! Wichtigste Voraussetzung ist Effizienz, also den Energiebedarf drastisch zu senken. Denn sich mit Solarenergie selbst zu versorgen, geht umso einfacher, je geringer der Strombedarf ist. Eine durchschnittliche Familie zum Beispiel verbraucht im Schnitt 5.000 Kilowattstunden Strom im Jahr, wir kommen mit weniger als 2.200 Kilowattstunden aus. Und wir müssen dabei auf nichts verzichten! Denn es geht nicht um Verzicht, es geht um intelligenten Verbrauch.


Können Sie ein Beispiel nennen?
Klar: den Geschirrspüler. Wenn man den direkt ans Warmwassersystem des Hauses anschließt statt, wie üblich, an die Kaltwasserleitung, reduziert sich der Stromverbrauch des Gerätes um etwa 80 Prozent!

Wie decken Sie den Wärmebedarf im Haus?
Durch Solarthermie und einen sechs Meter hohen Langzeitwärmespeicher, der die Wärme mit in den Winter nimmt. Wenn der richtig lang und kalt wird, brauchen wir noch maximal zwei bis drei Raummeter Holz zusätzlich.


Eine abschließende Frage: Wie würden Sie Ihr persönliches Credo auf den Punkt bringen?
Mir geht es nicht darum, das Thema Energieerzeugung und -verbrauch mit erhobenem Zeigefinger anzugehen oder ein schlechtes Gewissen zu machen. Meine Botschaft ist: Es ist möglich, die vorhandenen Ressourcen zu schonen, indem wir sie intelligent nutzen. Umweltbewusstes Leben (und Wohnen) auf der einen und Komfort auf der anderen Seite sind keine Widersprüche. Ich habe dafür den Begriff „befreites Genießen“ geprägt.


INFOKASTEN:


Timo Leukefeld ist 1969 im sächsischen Annaberg geboren und ist in einer Försterei aufgewachsen. Nach einer Berufsausbildung als Heizungsbauer hat er Energiewirtschaft an der TU Bergakademie Freiberg/Sachsen studiert. Dort sowie an der Berufsakademie Sachsen in Glauchau ist er heute als Honorarprofessor tätig. Darüber hinaus ist Leukefeld Unternehmer, Berater und ein gefragter Redner. Er engagiert sich als Mitglied des Sächsischen Innovationsbeirates sowie der Enquete Kommission „Strategien für eine zukunftsorientierte Technologie‐ und Innovationspolitik im Freistaat Sachsen“, war für den Deutschen Umweltpreis nominiert und hat 2001, 2006 und 2011 den Deutschen Solarpreis von Eurosolar e.V. erhalten.


Über die New Energy Husum
Die New Energy Husum gehört zu den bedeutendsten Messen im Bereich der erneuerbaren Energien. Seit 2002 dient sie als Schaubühne für eine dezentrale Energieerzeugung auf Basis aller erneuerbaren Energien. Die Themen und Techniken reichen von Kleinwind (bis 100 kW Leistung), über Biogasnutzung, feste Biomasse (Pellets, Scheitholz und Hackschnitzel für Heizungen), Solarthermie, Wärmepumpen, KWK, Photovoltaik, Elektromobilität. Wärmenetze, Energiespeicher sowie energieeffizientem und ökologischem Bauen. Im März 2015 treffen sich wieder Experten und führende Unternehmen, Hersteller und Akteure in der nordfriesischen Kreisstadt, um in einem weiter wachsenden Markt die Weichen für notwendige Innovationen und Investitionen zu stellen.


New Energy Husum
Termin: 19.-22.März 2015
Öffnungszeiten: täglich 10-18 Uhr
Veranstaltungsort: Messehallen Husum
Tageskarte: 10 €
Familienkarte: 20 € (2 Erwachsene + 2 Kinder bis 14 Jahren)
Weitere Informationen, die Ausstellerliste und das Vortragsprogramm unter www.new-energy.de


Pressekontakt
Messe Husum & Congress
Barbara Zillig
Am Messeplatz 12-18
25813 Husum
Tel.: +49 (0)4841 902 - 484
Fax: +49 (0)4841 902 - 246
E-Mail: zillig@messehusum.de
www.messehusum.de


Bildmaterial finden Sie unter: http://www.new-energy.de/de/presse/berichterstattung/bildmaterial.html
Abdruck honorarfrei, um ein Belegexemplar wird gebeten. Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

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