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„Beim Thema Kleinwind zählt gute Qualität!“ - Interview mit Stefan Gsänger, Generalsekretär der WWEA

Die World Wind Energy Association (WWEA) organisiert zum nunmehr 7. Mal den „World Summit for Small Wind“-Kongress und lädt gemeinsam mit der New Energy Husum am 17. und 18. März zum Gipfeltreffen der Kleinwindbranche nach Husum ein.

07.03.2016 // Herr Gsänger, die WWEA kümmert sich als weltweit agierender Dachverband um alle Windenergieanlagen – kleine wie große. Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht die Kleinwindanlagen weltweit hinsichtlich des erklärten Zieles, 100 Prozent erneuerbare Energien zu erreichen?

Erfreulicherweise haben sich überraschender Weise alle Regierungen bei der Pariser Klimakonferenz im Dezember faktisch darauf geeinigt, die globale Energieversorgung bis zum Jahr 2050 vollständig auf Erneuerbare Energien umzustellen. Dies schafft für die gesamte Wind- und Erneuerbaren Energien-Branche fantastische Perspektiven und wird mit Sicherheit auch der Kleinwindbranche zugutekommen. Kleinwind mag derzeit im Vergleich zu den großen Windenergieanlagen oder auch zur Photovoltaik eher eine Nischentechnologie sein. Aber zum einen wächst auch diese Nische spürbar: Heute gibt es weltweit etwa eine Million Kleinwindenergieanlagen, die mehrere Millionen Menschen mit Strom versorgen. Allein an dieser Zahl kann man erkennen, dass die Kleinwindkraft global gesehen heute schon unverzichtbar ist. In vielen Einsatzgebieten macht es sowohl ökonomisch als auch technisch Sinn, Kleinwindkraft einzusetzen. Daher wird sich Kleinwind auch neue Felder erschließen, vor allem dort, wo autarke Energieversorgung wichtig ist. 

 

In welchen Ländern wächst der Kleinwindmarkt denn derzeit am schnellsten?

Weltweit hatten wir im Jahr 2014 ein Wachstum von acht Prozent bei der Zahl der installierten Anlagen und sogar elf Prozent bei der installierten Kleinwindkapazität. Nach wie vor dominiert dabei der chinesische Markt bei Weitem. Dort finden sich etwa zwei Drittel aller weltweit installierten Anlagen. China wird mit großem Abstand gefolgt von den USA, die 17 Prozent Marktanteil haben. Alle anderen Länder haben jeweils weniger als drei Prozent Anteil. In Europa gab es vor allem in Großbritannien und in Italien erfreuliche Wachstumsraten zu vermelden, dank der in diesen beiden Ländern bislang guten rechtlichen Rahmenbedingungen mit ausreichender Einspeisevergütung.

 

Zwar sind auch in Deutschland bereits viele Kleinwindanlagen in Betrieb, doch will der große Durchbruch bis heute hierzulande nicht gelingen? Woran liegt das aus ihrer Sicht?

Durch den Boom der großen Windenergieanlagen in den vergangenen Jahren hat die Politik in Deutschland bedauerlicherweise die Kleinwindbranche völlig aus den Augen verloren. Sie hat die industriepolitische Bedeutung einer Förderung der Hersteller Kleinwindanlagen  bislang nicht verstanden. In Deutschland gab es nie eine besondere Förderung für diese Technologie, wie etwa einen erhöhten Einspeisetarif. Kleinwindanlagen rechnen sich in Deutschland deshalb betriebswirtschaftlich gesehen nur dann, wenn der Strom selbst genutzt wird. Zumindest eine Vereinfachung beim Eigenverbrauch des erzeugten Stroms etwa in Form von rückwärtszählenden Stromzählern würde schon enorm helfen, um den Markt zu unterstützen. Ideal wäre natürlich ein Einspeisetarif speziell für Kleinwindanlagen, wie ihn ja mehrere europäische Länder, aber auch außereuropäische Länder wie Japan, inzwischen eingeführt haben. Das zweite große Hindernis ist das Bau- und Genehmigungsrecht, das ja in allen 16 Bundesländern unterschiedlich ausgestaltet ist. Teilweise gibt es ja schon vernünftige Regelungen in einzelnen Ländern, leider gibt es aber immer noch oft absurd hohe Auflagen für die Errichtung einer Kleinwindanlage. Deren Erfüllung verursacht in manchen Fällen größere Kosten, als die Anlage selbst kostet. Hier wäre dringend eine Vereinfachung notwendig.

 

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit eine Kleinwindanlage wirtschaftlich betrieben werden kann?

Die Wirtschaftlichkeit hängt sicher vom konkreten Einsatzgebiet ab. Hier in Deutschland lassen sich Kleinwindanlagen wirtschaftlich betreiben, wenn der Strom selbst genutzt wird. In netzfernen Gegenden, also vor allem in Entwicklungsländern, aber auch in Flächenländern wie Russland, USA oder Kanada bietet sich dagegen der Einsatz in Form von Hybridsystemen an. In der Regel wird dabei eine Kleinwindanlage mit einem Speicher und oft auch mit einer Solaranlage kombiniert. Die genaue Dimensionierung der jeweiligen Komponenten hängt dann vom Standort ab, etwa von Windverhältnissen und Sonneneinstrahlung. Experten können solche Systeme technisch wie ökonomisch für den jeweiligen Ort maßschneidern und optimieren. Gerade weil Speicher nach wie vor die teuerste Komponente ist, kann eine Kleinwindanlage die Wirtschaftlichkeit enorm verbessern, weil der Wind ja grundsätzlich auch in der Nacht weht und somit der Speicherbedarf geringer wird. 


Würden Sie Landwirten empfehlen, derzeit in Kleinwindanlagen zu investieren?

Wenn ein geeigneter Standort vorhanden ist, das heißt wenn genug Wind weht, würde ich allemal dazu raten. Wichtig ist natürlich, dass sich die Kunden für zuverlässige Anlagen entscheiden, die gute Qualität bieten. Ein wichtiges Kriterium dafür ist sicher, dass die Anlage eine entsprechende unabhängige Zertifizierung vorzuweisen hat, damit man vor unliebsamen Überraschungen sicher ist. Die Zertifizierung sollte idealerweise sowohl die technische Sicherheit als auch die Energieausbeute in Form der Leistungskurve umfassen. Leider sind die Zertifizierungsverfahren gerade für die normalerweise kleineren Unternehmen in der Branche sehr teuer, daher arbeiten wir seit längerem an einem vereinfachten Verfahren, das gleichzeitig transparent ist, hohe Qualität sichert und damit kundenfreundlich ist. 

 

Welches sind nun aber die Haupthindernisse für die Installation von Kleinwindanlagen in Deutschland?

Neben den schon erwähnten Problemen der fehlenden Vergütung und dem obstruktiven Genehmigungsrecht ist es sicher für Endverbraucher eine gewisse Herausforderung, sich in dem Markt zu orientieren, welche Anlage eigentlich geeignet wäre. Es mangelt also in gewisser Weise an Markttransparenz für Endverbraucher. Mit der New Energy Husum können wir seit einigen Jahren allerdings einen wichtigen Beitrag leisten, dieses Defizit zu beheben, da sich hier potenzielle Kundinnen und Kunden selbst einen Überblick über den Markt verschaffen können - und vor allem auch die Anbieter persönlich ansprechen können. 

 

Welche technischen Fortschritte erwarten Sie in den nächsten Jahren von den Kleinwindanlagen?

Nach wie vor werden die meisten Kleinwindanlagen im Grunde in Handarbeit produziert. Dies liegt vor allem an der noch relativ kleinen Stückzahl. Man kann sagen, dass die Photovoltaik in den 90er Jahren sich in einem ähnlichen Stadium befand - und sehen Sie sich die Kostensprünge an, die seitdem erreicht wurden. Insofern sehe ich die meisten Innovationen im Fertigungsprozess selbst. Verstärkte internationale Standardisierung, Massenproduktion und konsequente Qualitätssicherung werden die Wettbewerbsfähigkeit der Kleinwindbranche enorm steigern, davon bin ich überzeugt. Im technischen Sinne wird es wohl einige Innovationen im Bereich von Hybrid- und Speicherlösungen geben, der Fortschritt in der Batterietechnik wird definitiv auch der Kleinwindbranche einen weiteren Aufschwung bringen.

Welche Impulse erwarten Sie vom 7. Husumer World Summit für die gesamte Branche? 

Grundsätzlich ist der World Summit ein globaler Treffpunkt von Entscheidungsträgern aus der Kleinwindbranche, um sich über die aktuellen Entwicklungen auszutauschen. Ansonsten sind die Themen wichtig, auf die ich schon bei Ihrer Eingangsfrage hingewiesen habe: Was wird die Rolle der Kleinwind in der künftigen, weltweiten Energieversorgung sein? Wir achten dabei verstärkt auf das Zusammenspiel der verschiedenen erneuerbaren Energieträger und präsentieren daher, neben technischen Entwicklungen und Fragen der Zertifizierung, vor allem Beispiele, in denen Kleinwind erfolgreich eingesetzt wird wie beispielsweise in Hybridsystemen. 

Wir haben es in der Vergangenheit auch Dank des World Summit geschafft, dass das Thema Kleinwind in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde und sich heute wichtige internationale Organisationen wie IRENA damit befassen. Daran arbeiten wir als WWEA konsequent weiter. Kleinwind hat große Potenziale, es ist an der Zeit, diese Potenziale zu nutzen. 

 

Weitere Informationen unter www.new-energy.de

 

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